30 Jahre Herrmann's und Eintracht

Während andere Restaurants in der Region schliessen müssen, wird in der Eintracht dieses Jahr ein Jubiläum gefeiert. Seit 30 Jahren wirten Peter und Annemarie Herrmann in Oberthal – und auch die Zukunft des Traditionsbetriebs scheint gesichert.

„Ich hätte nie geglaubt, dass jüngere Wirte vor mir aufhören“, sagt Peter Herrmann nachdenklich. Seit 30 Jahren wirtet er gemeinsam mit seiner Ehefrau Annemarie in der Eintracht. Nach einer dreijährigen Pachtzeit in Bigenthal kauften sie 1987 den Traditionsgasthof in Oberthal – und erlebten bei ihrer täglichen Arbeit, wie sich das Gastgewerbe im Laufe der Jahre veränderte und Gasthöfe in der näheren Umgebung schliessen mussten.

„Es ma nüt verlide“

„Eine Dorfbeiz hat heute einen geringeren Wert“, beschreibt Herrmann seine Beobachtungen. Viele Vereine verfügen heute über ein eigenes Clubhaus. Zudem müssen die Getränke dafür nicht mehr wie früher, als ein Wirt sein Patent zur Verfügung stellen musste, über ein Restaurant bezogen werden.

Verändert habe sich jedoch nicht nur das Vereinsleben. Die grösste Veränderung sieht der …-Jährige im Konsumverhalten. Einerseits seien jüngere Personen heute durch die Nutzung des Smartphones besser vernetzt und würden oft zügig in ein anderes Lokal wechseln, um dort jemanden zu treffen. Andererseits sei auch die tiefere Promillegrenze spürbar. „Die autofahrenden Gäste sind zurückhaltender was den Alkohol betrifft. Es ma nüt verlide.“

Vom Kopfschütteln zum Aushängeschild

All diesen Entwicklungen zum Trotz gelingt es Herrmanns, die Eintracht seit 30 Jahren erfolgreich zu führen. Worin liegt ihr Erfolgsgeheimnis? „Uns macht die Arbeit Spass“ sagt der gelernte Bäcker und Konditor, der sich zudem zum Koch ausbilden liess. „Aufgrund der Lage des Restaurants ist eine gute Küche besonders wichtig. Wir versuchen, möglichst alles frisch zuzubereiten. An was es genau liegt, dass wir uns all die Jahre erfolgreich behaupten konnten, weiss ich jedoch nicht.“

Dazu beigetragen haben vermutlich die Spezialitätenwochen. „Als wir vor einigen Jahren mit griechischen Spezialitäten begonnen haben, hiess es: 'Der spinnt doch im Oberthal'“, erinnert sich Herrmann lachend. Heute gehören die Wochen, in denen griechisch oder italienisch gekocht oder Wild serviert wird, zu den Aushängeschildern der Eintracht.

Familienanlässe, Hochzeiten und die Stubete

„Wir sind zudem sehr dankbar, dass wir es gewagt haben und 2007 den Saal umfassend renoviert haben“, ergänzt der erfahrene Gastgeber. Das 1862 erbaute Gebäude beherbergt seit 1900 eine Wirtschaft und verfügt heute als einer der wenigen Gasthöfe in der Region noch über einen solchen Saal.

Während unter dem Jahr Familienfeste, Hochzeiten aber auch Vereinsanlässe darin gefeiert werden, steht am 2. Januar jeweils die traditionelle Stubete an. Neben dem Silvester eine der wichtigsten Einnahmenquellen. „Sie reissen sich fast die Stühle unter dem Füdli weg“, freut sich Herrmann über die Beliebtheit der Veranstaltungen zum Jahreswechsel.

Nachfolge scheint gesichert

Auch wenn es oft schwierig sei, über die Festtage genügend Personal zu finden, sollen diese Anlässe beibehalten werden. Allenfalls ergänzt mit Angeboten für jüngere Gäste. „Man muss etwas machen, um als Gasthof überleben zu können. Ich hoffe, dass die Eintracht weiterbesteht und es ihr nicht ergeht wie anderen Restaurants“, wünscht sich der zweifache Vater und …-fache Grossvater in Hinblick auf das 30-jährige Jubiläum.

Die Voraussetzungen dafür sind jedenfalls gut. Seit 2003 ist Sohn Adrian als Küchenchef im Familienbetrieb tätig. Eine Übergabe an ihn in einigen Jahren wahrscheinlich. „Es ist der Idealfall, wenn das Restaurant in der Familie bleibt“, so Peter Herrmann.

Erst einmal wird jedoch das Jubiläum gefeiert. In welcher Form, ist noch offen.